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Nordal Cavadini, Partner & Managing Director für Retail bei AlixPartners

C-Stores müssen sich neu erfinden

Unternehmensberatung AlixPartners sieht Handlungsbedarf durch Konsumzurückhaltung bei Convenience- und Tankstellenshops. Nordal Cavadini, Partner & Managing Director für Retail bei AlixPartners im Gespräch.

Die Convenience- und Tankstellenshops in der DACH-Region stehen vor einem strukturellen Umbruch. Eine aktuelle Konsumentenumfrage der Unternehmensberatung AlixPartners unter mehr als 4.000 Befragten zeigt: Konsumzurückhaltung, steigende Preissensitivität und veränderte Mobilitätsmuster setzen die Branche zunehmend unter Anpassungsdruck. „der Umbruch bei den C-Stores kommt sehr rasch und wird herbeigeführt durch eine verstärkteElektrifizierung der Fahrzeuge, durch eine neue ‚autofreie‘ Generation und durch teuren Sprit“, so Nordal Cavadini, Partner & Managing Director für Retail bei AlixPartners.

Nach den Einbrüchen während der Corona-Jahre erholt sich das Segment nur langsam. Gleichzeitig plant rund die Hälfte der Konsumenten in Deutschland und Österreich sowie mehr als ein Drittel in der Schweiz, künftig weniger in Convenience- und TankstellenShops einzukaufen. Hauptgrund ist auch die gestiegene Preissensibilität: Ein Großteil der Befragten nimmt Produkte als deutlich teurer wahr und schränkt den Konsum entsprechend ein.

Preis wird damit auch im Convenience-Bereich zum zentralen Wettbewerbsfaktor. Betreiber sind gefordert, ihre Preisstrategie zu überdenken, gezielt Aktionen einzusetzen und Eigenmarken stärker zu positionieren. Sonst drohen weitere Frequenzverluste. „Es bleiben aber wesentliche Faktoren, die auch in Zukunft sehr wichtig sind: etwa die gute Erreichbarkeit und die längeren Öffnungszeiten. Deshalb gilt es C-Stores attraktiv für einen Einkauf zu machen“, so Cavadini.

Neben dem Preis verändern sich auch die Erwartungen der Kunden. Frisch zubereitete Speisen, Backwaren und Heißgetränke sind mittlerweile fixer Bestandteil des Angebots. Allerdings werden nicht alle Konsumanlässe gleichermaßen gut abgedeckt. Insbesondere in der zweiten Tageshälfte bestehen Angebotslücken, etwa bei Snacks oder schnellen Mahlzeiten. „Für Tankstellen bietet sich demnach ein wichtiges Ergänzungsgeschäft, hier haben sie die Chance Umsatz zu generieren“, sagt Nordal Cavadini.

Ein weiterer struktureller Treiber ist wie erwähnt die veränderte Mobilität. Der klassische Tankstellenstopp verliert an Bedeutung. Während in Österreich noch 59 % und in Deutschland 50 % der Convenience-Käufe an Tankstellen stattfinden, liegt dieser Anteil in der Schweiz nur mehr bei 39 %. Mit dem Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und veränderten Pendelgewohnheiten verschiebt sich die Nachfrage zunehmend in urbane Lagen und Verkehrsknotenpunkte.

Gemeinsam ist allen Märkten im DACH-Raum, die Convenience-Stores haben, eine zeitliche Verschiebung der Nachfrage. Rund die Hälfte der Convenience-Einkäufe entfällt auf das Wochenende. Hintergrund ist auch das eingeschränkte Angebot alternativer Einkaufsmöglichkeiten außerhalb regulärer Öffnungszeiten.

Für Betreiber bedeutet diese Entwicklung einen steigenden Innovationsdruck. Klassische Geschäftsmodelle greifen zunehmend zu kurz. Gefragt sind neue Konzepte, die u.a. folgende Kriterien erfüllen:

  • Preisbewusstsein: man muss einen Weg finden, um mit dem Kernsortiment attraktiv zu sein. Eigenmarken und Kombi-Angebote spielen eine Rolle.
  • Erweitertes Food-Angebot: Warme und kalte Snacks anbieten, um Handelsgastronomie wo sinnvoll auszuweiten.
  • Kostensenkung: Digitalisierung einsetzen, um Betreiber besser zu unterstützen und Abläufe ertragreicher zu machen.

Die Ergebnisse der AlixPartners-Studie verdeutlichen: Convenience bleibt ein relevanter Teil des Handels, muss sich jedoch neu positionieren. Wachstum wird künftig weniger über klassische Tankstellenformate generiert, sondern über flexible, kundenorientierte Konzepte in urbanen Lagen.

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geschrieben am

27.03.2026