Billa weitet Fleischspenden aus
Seit 1. September 2026 wird das seit April 2025 laufende Fleischspendenprojekt von Billa und Die Tafel Österreich ausgeweitet: Statt bisher fünf Billa- und drei Billa-Plus-Märkten nehmen nun 30 Billa- und 10 Billa-Plus-Märkte in Wien teil. Sie geben Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus dem Selbstbedienungsbereich an karitative Einrichtungen weiter. In der Testphase konnten bereits mehr als zwei Tonnen Frischfleisch gerettet werden. Der aktuelle Roll-out ist zunächst auf drei Monate angelegt.
„Fleisch hat eine besondere Wertigkeit, gleichzeitig gelten im Fleischbereich besonders strenge gesetzliche Vorgaben und Hygienevorschriften“, sagt Robert Nagele, Vorstand Billa. Lebensmittelsicherheit habe daher auch bei der Weitergabe oberste Priorität. Alexandra Gruber, Geschäftsführung Die Tafel Österreich, sieht in dem Projekt eine wichtige Erweiterung der Lebensmittelrettung: Während der Bedarf an kostenloser Lebensmittelhilfe steige, würden durch optimierte Handelsprozesse weniger Überschüsse entstehen. Neue Warenquellen würden deshalb zunehmend wichtiger.
Weitergabe mit besonderen Anforderungen
Die Weitergabe von Frischfleisch stellt besondere Anforderungen. Gespendet wird ausschließlich Fleisch am Tag des Verbrauchsdatums und nur aus dem unter sterilen Bedingungen abgepackten Selbstbedienungsbereich. Faschiertes und Innereien sind ausgenommen. Die Abholung organisieren Die Tafel Österreich und die karitativen Einrichtungen mit Kühlwägen oder Kühlboxen. Die Einrichtungen entscheiden, ob die Ware vor Ablauf des Verbrauchsdatums verkocht, 1:1 weitergegeben oder tiefgekühlt wird. Geflügel darf aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nur übernommen werden, wenn es noch am Tag des Verbrauchsdatums vollständig durcherhitzt oder verkocht wird.
Die Tafel Österreich bringt 27 Jahre Erfahrung in der karitativen Lebensmittelweitergabe ein und stellt einen Leitfaden zur sicheren Weitergabe von Fleisch sowie die digitale Tafel-Drehscheibe zur Erfassung der geretteten Mengen zur Verfügung. Als Bindeglied koordiniert der Sozialverein Abholung und Verteilung durch die teilnehmenden Organisationen.
Zu den Einrichtungen, die bereits in der Testphase beteiligt waren, gehört das Häferl, eine Einrichtung der Stadtdiakonie Wien im 6. Bezirk. Im „Wirtshaus für Alle“ erhalten armutsbetroffene und wohnungslose Menschen an jedem Öffnungstag ein frisch gekochtes dreigängiges Menü – ohne Rechnung. „Dazu gehört auch, Fleischgerichte anzubieten“, erklärt Wilhelm Raber, Geschäftsführung Stadtdiakonie Wien. Tobias Riener, Leitung Häferl, berichtet von der hohen Nachfrage: An Tagen mit einem Fleischgericht werden bis zu ein Viertel mehr Portionen ausgegeben, teilweise weit über 400 Teller. Das Häferl hat deshalb einen zweiten Fleischtag pro Woche eingeführt.
Umfassendes Maßnahmenpaket
Die Fleischspenden sind Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets von Billa gegen Lebensmittelverschwendung. Nahezu jeder Billa- und Billa-Plus-Markt in Österreich arbeitet mit zumindest einer karitativen Einrichtung zusammen. 2025 spendeten Billa und Billa Plus mehr als 23 Mio. Mahlzeiten-Äquivalente. Hinzu kommen Obst&Gemüse- und Gebäck-Rettersackerl, die Vermarktung optisch nicht perfekter, qualitativ einwandfreier Ware unter der Eigenmarke „Wunderlinge“ sowie die Verarbeitung überschüssiger Produkte zu Smoothies, Salatbowls und weiteren Speisen. Waren mit unmittelbar bevorstehendem Ablaufdatum werden vergünstigt angeboten. Nicht verkauf- oder spendbare Backwaren werden gemeinsam mit dem österreichischen Futtermittelerzeuger Königshofer zu Tierfutter verarbeitet.
Die Tafel Österreich versorgt seit 1999 armutsbetroffene Menschen über soziale Einrichtungen kostenlos mit geretteten Lebensmitteln. 2025 wurden mehr als 1.500 Tonnen gerettete Lebensmittel an mehr als 85.000 Menschen in ganz Österreich weitergegeben. Die überwiegend spendenfinanzierte Non-Profit-Organisation ist auf Geld-, Zeit- und Warenspenden angewiesen.
Bei Frischfleisch ein Vorreiter
Auch beim Frischfleisch versteht sich Billa als Vorreiter. 2020 stellte das Unternehmen sein Frischfleischangebot vollständig auf österreichische Herkunft um und ist nach eigenen Angaben bis heute der erste und einzige Händler, der Frischfleisch über alle Kategorien hinweg ausschließlich aus Österreich anbietet – von Rind, Kalb und Schwein über Hendl, Pute, Ente und Gans bis zu Wild und Lamm. Zudem baut Billa sein Tierwohlsortiment aus. Mit einem Anteil von 50 Prozent am Verkaufsumsatz im Frischfleischsegment ist Tierwohl nach Unternehmensangaben inzwischen keine Nische mehr.