BLM: zwischen Kostendruck und Proteinboom
Die österreichische Molkereiwirtschaft befindet sich 2026 in einem schwierigen Spannungsfeld: steigende Rohmilchmengen, rückläufige Inflationsdynamik, gleichzeitig aber massiver Wettbewerbsdruck im Handel und hohe Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Alleine durch die spürbar gestiegenen Treibstoffkosten – sowohl bei der Rohmilchsammlung als auch beim Abtransport der Fertigware - sind die allgemeinen Kosten stark gestiegen.
Für Berglandmilch zeichnet Geschäftsführer Josef Braunshofer ein Bild der Stabilisierung – allerdings ohne Entwarnung. Denn es kommen auch noch politische Hürden auf die gesamte Branche zu, wenn die Einführung des niedrigeren Steuersatzes von 4,9% auf Grundnahrungsmittel mit Juli schlagend wird. „Dann haben wir in der Berglandmilch schließlich drei Steuersätze: auf Milch als Grundnahrungsmittel, auf Milchprodukte und Spezial-Milch 10% und auf Haferdrinks 20%“, wundert sich der Geschäftsführer nur mehr. All das zusammen ist nicht inflationsbremsend. Und auch angedachte Preisdeckel auf Nahrungsmittel sieht der Geschäftsführer sehr kritisch.
Mit rund 1,3 Milliarden Kilogramm verarbeiteter Milch, mehr als 1,3 Milliarden Euro Umsatz und rund 1.600 Beschäftigten bleibt Berglandmilch die größte Molkerei Österreichs. Die Genossenschaft profitiert von ihrer starken regionalen Verankerung in ganz Österreich und ihrer breiten Markenbasis (Schärdinger, Lattellla, Tirol Milch, Stainzer und Desserta Hellas). Gleichzeitig verschärft sich der Druck auf die Ertragslage. „Unsere Bauern sind tüchtig, liefern aktuell viel Milch. Die Berglandmilch hat aber dafür gottseidank ausreichend Verarbeitungskapazitäten“, so Braunshofer. Die Verarbeitungskapazitäten werden auch in Zukunft weiter ausgebaut, der Exportanteil bleibt stabil bei 50%. Konsumentenseitig ist der Milchverbrauch und jener der Milchprodukte aktuell stabil bis steigend.
Mehr Milch, sinkende Preise und Trends
Ein zentrales Thema ist die Entwicklung am europäischen Milchmarkt. Gute Futterbedingungen und stabile Produktionsbedingungen führten zuletzt zu einem deutlichen Anstieg der Rohmilchmengen. Besonders im zweiten Halbjahr 2025 hat sich das Angebot spürbar erhöht.
Genau darin liegt jedoch die Herausforderung: Mengensteigerungen von fünf bis acht Prozent reichen aus, um manche Marktpreise unter Druck zu setzen. Speziell die Entwicklung in Deutschland beeinflusst den österreichischen Markt unmittelbar. Braunshofer: „Allerdings profitieren wir enorm vom Eiweißboom, der seit Monaten in den Regalen herrscht. Unsere Milchprodukte sind von Natur aus eiweißreich und sie schmecken auch gut!“. Das alles vereint durch die einzigartige Qualität der Milch und ihre Verarbeitung. Und hier kann man Steigerungen beim Absatz generieren. Von Skyr über griechisches Joghurt, Cottage Cheese und Protein Drinks – sie alle sind zurzeit gefragter denn je. „15% der Amerikaner nehmen bereits die Abnehmspritzen – dieser Trend wird mit Sicherheit auch zu uns kommen. Wenn man die Abnehmspritzen verwendet, sollte man sich proteinreich ernähren. Ein weiterer guter Grund für Molkereiprodukte“, so Braunshofer, der mit den Berglandmilch-Produkten die hippen Trends bedient. Proteinkäsescheiben und Proteinkäse-Laibchen runden das Angebot ab.
Mit dem Bergbauern Joghurt deckt der Mopro-Marktführer in Österreich viele Zielgruppen ab. Deshalb wird die Range aktuell auch ausgebaut.
Auch Käse bleibt für Berglandmilch ein strategisches Wachstumsfeld. Braunshofer verweist auf steigende Pro-Kopf-Verbräuche in vielen internationalen Märkten und sieht hier weiterhin attraktive Exportmöglichkeiten.
Nicht zuletzt schraubt das Team aus der Produktentwicklung auch schon lange am Zuckergehalt, um diesen zu reduzieren. „Das ist uns im Laufe der letzten 16 Jahre ausgezeichnet gelungen – vor allem bei Lattella haben wir den Zuckergehalt drastisch reduziert“, berichtet der Geschäftsführer über den ernährungsphysiologischen Erfolg. Die Reduktion an Zucker, die auch bei Joghurts stattfinden wird, passt überdies ausgezeichnet zum Natürlichkeitsansatz der Berglandmilch. Stolz ist Josef Braunshofer in diesem Zusammenhang auf die bereits zweijährige Kooperation mit Julius Meinl im gekühlten Kaffeesegment.
Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Energie- und Nachhaltigkeitsinvestitionen. Berglandmilch investiert seit mehreren Jahren massiv in Biomasseanlagen und die Umstellung von Erdgas auf Hackschnitzel. Das Unternehmen verfolgt damit nicht nur Klimaziele, sondern auch eine stärkere Absicherung gegen volatile Energiepreise. „Wir sind nun viel autarker, das beruhigt sehr“, so Braunshofer. In Tirol wurde die Umstellung 2007 begonnen – nun sind auch die übrigen Werke in der Umstellung abgeschlossen. Mehr als 90% des Energiebedarfs und Wärmebedarfs sind somit CO2 neutral gedeckt, was auch die CO2-Bilanz enorm neutralisiert. Es blieben dennoch zahlreiche Themen übrig, die nicht nur Kosten, sondern auch Bürokratie im Übermaß erfordern. EU-Standards wie PPWR und EMPCO sind für alle Unternehmen im FMCG-Bereich herausfordernd – so auch für die Berglandmilch. So manche Verpackungen werden einen Wandel erleben, um den Ansprüchen der PPWR gerecht zu werden. „Das muss gut überlegt sein, geht es doch vornehmlich um den Schutz des Produktes selbst“, so Braunshofer.
Für die Zukunft ist die Genossenschaft, die in ihren Gremien schlank aufgestellt ist, gut gerüstet. Die Entwicklung der Berglandmilch zeigt insgesamt den strukturellen Wandel der europäischen Molkereiwirtschaft. Während früher vor allem Mengenwachstum im Vordergrund stand, verschiebt sich der Fokus heute deutlich auf Wertschöpfung pro Liter Milch.