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Aus für Ardo im Marchfeld

Aus für Ardo im Marchfeld

Tiefschlag für Österreichs Gemüsebau, Hersteller und den Handel.

Das belgische Tiefkühlunternehmen Ardo schließt 2027 sein Werk in Groß-Enzersdorf. Die Entscheidung trifft nicht nur 240 Mitarbeiter (190 Beschäftigte sowie 50 saisonale Leiharbeitskräfte), sondern erschüttert die gesamte heimische Landwirtschaft – mit spürbaren Folgen für Großabnehmer wie Iglo und den Lebensmittelhandel.

Die Nachricht kam für viele überraschend, die Konsequenzen sind historisch: Nach jahrzehntelanger Produktion stellt die Ardo Austria Frost GmbH im kommenden Jahr ihr Werk im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf komplett ein. Während der Vertrieb im Raum Wien in schlankerer Form weitergeführt werden soll, bricht die industrielle Verarbeitung von Tiefkühlgemüse im Marchfeld damit vollständig weg. Das belgische Mutterunternehmen begründet den Schritt mit veralteten Anlagen, zu hohen Modernisierungskosten und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit gegenüber osteuropäischen Standorten.

Iglo verliert sein logistisches Rückgrat

Die Schließung zieht heftige Kreise im österreichischen Lebensmittelmarkt – allen voran bei der Kultmarke Iglo. Ardo war über Jahrzehnte der exklusive Produktions- und Abpackpartner für das Marchfeld-Gemüse von Iglo. Zwar betont Iglo in ersten Reaktionen, dass man an der Partnerschaft mit den österreichischen Bauern festhalten und die Rohstoffe weiterhin aus der Region beziehen wolle. Logistisch steht die Marke jedoch vor einer Herkulesaufgabe: Da die Verarbeitungskompetenz vor Ort wegbricht, muss Iglo unter Hochdruck nach alternativen Abpack- und Frostkapazitäten suchen, um die lückenlose Versorgung mit heimischer Ware zu sichern.

Druck auf den Lebensmittelhandel steigt

Auch für den heimischen Lebensmittelhandel bringt das Ardo-Aus erhebliche Unruhe. Viele Eigenmarken-Produkte im Tiefkühlregal stammen direkt aus dem Werk in Groß-Enzersdorf. Der Handel steht nun vor zwei großen Problemen:

  • Preise und Verfügbarkeit: Sollte das Gemüse künftig im Ausland verarbeitet und reimportiert werden müssen, treibt dies die Logistikkosten in die Höhe.

  • Das Versprechen der Regionalität: Die Österreicher kaufen bevorzugt Ware mit rot-weiß-roter Herkunft. Fällt ein zentraler Verarbeitungsknoten weg, wird es für den Handel deutlich schwerer, das gewohnte Volumen an zertifiziertem österreichischem Tiefkühlgemüse anzubieten.

500 Bauern stehen vor dem Nichts

Am härtesten trifft es jedoch die rund 500 Marchfelder Gemüsebauern. Sie verlieren auf einen Schlag ihren verlässlichen Hauptabnehmer. Für sie geht es nun um die nackte Existenz: Da Gemüse wie Erbsen oder Spinat nach der Ernte innerhalb weniger Stunden verarbeitet und tiefgefroren werden muss, sind lange Transportwege unmöglich. Findet sich kein neuer Betreiber oder Investor für das Werk, droht dem Marchfeld der Abschied vom großflächigen, industriellen Gemüseanbau.

Reaktion des Markenartikelverbandes

Für den Österreichischen Verband der Markenartikelindustrie (MAV) ist die Schließung ein Alarmsignal für den gesamten heimischen Lebensmittelstandort. „Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks – er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird“, so Günter Thumser, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Markenartikelindustrie. „Wir Markenartikler warnen seit Monaten vor dem medial heftig beschworenen ‚Billig, billig!' – jetzt sehen wir eine der ersten großen Konsequenzen.“ Der MAV sieht in der Werksschließung das Ergebnis einer kollektiven Ausrichtung auf den jeweils niedrigsten Einkaufspreis.

 

MAV lehnt Verbot regionaler Liefervereinbarungen ab

Vor diesem Hintergrund appelliert der MAV eindringlich an Politik, die aktuell gesetzlich zulässige Möglichkeit regionaler oder nationaler Vereinbarungen zwischen Herstellern und Handel nicht einzuschränken oder gar zu verbieten. Diese Vereinbarungen seien eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Versorgungssicherheit mit heimischer Produktion und Tausende Arbeitsplätze – vom Bauernhof über die Weiterverarbeitung bis ins Handelsregal – nachhaltig abzusichern. Der MAV weist die Forderung nach einem generellen Verbot territorialer Lieferbeschränkungen (Territorial Supply Constraints) deutlich zurück und appelliert an die Mitglieder der österreichischen Bundesregierung, den entsprechenden, von Österreich in der EU eingebrachten Vorstoß noch vor dem EU-Rat am 15. und 16. Oktober neu zu überdenken.

Fakt ist auch, dass die Schließung des Ardo-Werkes mehrere Gründe hat: zum einen die anstehenden Renovierungen, aber auch die hohen Kosten, die für Österreichs Unternehmen derzeit zu tragen sind: Lohnnebenkosten, Steuern und bürokratische Umsetzungen.

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geschrieben am

25.09.2026