ARA setzt Investitionsoffensive
Die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) meldet einen Meilenstein in der heimischen Kreislaufwirtschaft: Im Haushaltsbereich wurde 2025 erstmals die EU-Recyclingquote von 50 Prozent für Kunststoffverpackungen erreicht. Gleichzeitig investiert das Unternehmen gemeinsam mit Partnern bis Ende 2026 rund 100 Millionen Euro in den Ausbau der Recyclinginfrastruktur. Vor dem Hintergrund schwacher Konjunktur und steigender regulatorischer Anforderungen sieht die ARA die Kreislaufwirtschaft zunehmend als industriepolitischen Faktor. „Rohstoffsicherung wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, betont Vorstandssprecher Harald Hauke. Die Kreislaufwirtschaft stärke die Versorgungssicherheit und reduziere die Abhängigkeit von Primärrohstoffen.
100 Millionen Euro für Kunststoffrecycling
Kern der Investitionsoffensive sind zwei Großprojekte im Kunststoffbereich:
- die Hightech-Sortieranlage „TriPlast“ in Oberösterreich mit einem Investitionsvolumen von mehr als 60 Millionen Euro,
- sowie die Anlage „Sort4Cycle“, in die gemeinsam mit Partnern weitere 40 Millionen Euro fließen.
Dort soll ab 2027 das von der ARA entwickelte UPCYCLE-Verfahren industriell eingesetzt werden, um bislang nicht recyclingfähige Kunststoffreste stofflich zu verwerten.
2025 stellte die ARA insgesamt 607.000 Tonnen Sekundärrohstoffe für die Industrie bereit – darunter Kunststoffe, Metalle, Papier und Glas.
Wie Vorstand Thomas Eck erläutert, konnte die Sammlung von Verpackungen im Gelben Sack und in der Gelben Tonne trotz Einführung des Einwegpfands weiter gesteigert werden. Österreichweit lag das Plus 2025 bei sieben Prozent, in Wien sogar bei 14 Prozent. Als Erfolgsfaktor nennt die ARA vor allem den Ausbau der haushaltsnahen Sammlung. Mittlerweile werden rund 2,2 Millionen Haushalte direkt über Ab-Haus-Systeme erreicht.
Kritik an EU-Regulierung
Trotz positiver Bilanz kritisiert die ARA die Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung PPWR. Aus Sicht des Unternehmens greifen Recyclingquoten deutlich früher als verbindliche Vorgaben für den Einsatz von Rezyklaten oder recyclinggerechtes Verpackungsdesign. Hauke spricht von einem „Konstruktionsfehler“ in der europäischen Gesetzgebung, da Hersteller erst Jahre später verpflichtet würden, recycelte Materialien tatsächlich einzusetzen. Die ARA fordert daher klarere und besser abgestimmte regulatorische Vorgaben.
Parallel dazu wurde das Beratungsangebot für Industrie und Handel rund um die PPWR deutlich ausgebaut. Mit Veranstaltungen, Webinaren und Vor-Ort-Beratungen wurden laut ARA bisher rund 2.000 Teilnehmer erreicht.
Fokus auf lebensmitteltaugliche Rezyklate
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung hochwertiger Rezyklate für Lebensmittelverpackungen. Gemeinsam mit Forschungspartnern arbeitet die ARA an Projekten zur mechanischen Aufbereitung von Kunststoffen für den direkten Lebensmittelkontakt. Pilotprojekte wie Mehrwegbecher beim Eurovision Song Contest 2026 sollen zeigen, wie hochwertige Recyclinglösungen künftig breiter eingesetzt werden können.
Textilrecycling: Warnung vor Überregulierung
Mit Blick auf das verpflichtende Textilrecycling ab 2028 fordert die ARA pragmatische Rahmenbedingungen. Bestehende Sammel- und Wirtschaftssysteme sollten genutzt werden, um zusätzliche Bürokratie und hohe Kosten zu vermeiden. Die größten Herausforderungen sieht das Unternehmen neben der Sortierung vor allem im Aufbau funktionierender Absatzmärkte für recycelte Textilfasern.
Wirtschaftlichkeit bleibt entscheidend
Für die kommenden Jahre kündigt die ARA weitere Investitionen in Innovation und Recyclingtechnologien an. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass Kreislaufwirtschaft langfristig nur mit wirtschaftlich tragfähigen Modellen funktionieren könne. Neben technologischen Lösungen bleibe auch die Beteiligung der Konsumenten zentral: Nur korrekt getrennte Verpackungen könnten wieder als Rohstoffe in den Kreislauf zurückgeführt werden.