Amazon: eCommerce als Wachstumsmotor
Plattformen wie Amazon entwickeln sich zunehmend zu wichtigen Export- und Vertriebspartnern für heimische Unternehmen – auch weit über die Ballungsräume hinaus. Denn: Während sich der stationäre Handel weiterhin mit Konsumzurückhaltung, steigenden Energie- und Personalkosten sowie einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert sieht, bleibt der E-Commerce für viele österreichische Unternehmen ein stabiler Wachstumstreiber. Besonders kleine und mittlere Unternehmen nutzen digitale Marktplätze zunehmend als internationalen Vertriebskanal und bauen ihre Exportaktivitäten weiter aus.
Amazon KMU Impact Report
Das zeigt der aktuelle KMU Impact Report von Amazon, der gemeinsam mit der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich präsentiert wurde. Demnach erwirtschafteten österreichische KMU im Jahr 2025 mehr als 730 Millionen Euro Umsatz über den Amazon Marketplace. Insgesamt wurden mehr als 20 Millionen Produkte in über 150 Länder und Regionen verkauft. Mehr als 95 Prozent der österreichischen Verkaufspartner exportieren mittlerweile international.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Exportumsätze: Trotz schwacher Konjunktur und eines schwierigen Marktumfelds stiegen die internationalen Umsätze österreichischer KMU über Amazon 2025 um sechs Prozent auf 641 Millionen Euro. Seit 2020 entspricht das einem Wachstum von mehr als 45 Prozent.
Der europäische Binnenmarkt bleibt dabei die wichtigste Absatzregion. Rund 533 Millionen Euro beziehungsweise 83 Prozent des gesamten Exportvolumens österreichischer KMU entfielen auf EU-Länder. Zu den wichtigsten Exportmärkten zählen Deutschland, die USA, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich. Die Zahlen stechen besonders hervor, da Österreichs Gesamtexporte laut Statistik Austria im selben Zeitraum um 0,5 Prozent auf 190,14 Milliarden Euro zurückgingen.
Für viele Händler und Produzenten wird der Onlinehandel damit zunehmend zu einem strategischen Standbein. Amazon verweist darauf, dass österreichische Unternehmen mittlerweile mehr als 40 Produkte pro Minute über die Plattform verkaufen. Gerade kleinere Unternehmen profitieren von internationaler Sichtbarkeit, niedrigeren Eintrittsbarrieren und logistischer Infrastruktur, die sie eigenständig nur schwer aufbauen könnten.
Unterstützung durch Bootcamp Quick Start Online
Gleichzeitig bleibt der grenzüberschreitende Onlinehandel mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Unterschiedliche Umsatzsteuersysteme, nationale Regulierungen und zusätzliche Abgaben verursachen laut Branchenvertretern hohe Kosten und erschweren die Expansion. Auch die aktuell diskutierte Paketsteuer wird kritisch gesehen. Die Wirtschaftskammer Österreich warnt davor, dass zusätzliche Belastungen vor allem exportorientierte KMU treffen würden.
Dabei gewinnt der E-Commerce für die österreichische Wirtschaft insgesamt zunehmend an Bedeutung. Laut einer Studie von EcoAustria sichert der Onlinehandel in Österreich rund 250.000 Arbeitsplätze und trägt jährlich rund 13,1 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung bei. Initiativen wie „Quickstart Online“, eine Kooperation zwischen Wirtschaftskammer und Amazon, sollen Unternehmen zusätzlich beim Aufbau digitaler Vertriebskompetenz unterstützen.
Blick innerhalb Österreichs
Besonders dynamisch entwickelt sich der Onlinehandel außerhalb Wiens. Mehr als 75 Prozent der österreichischen Unternehmen auf Amazon stammen aus den Bundesländern und erwirtschafteten gemeinsam über 440 Millionen Euro Exportumsatz. Unternehmen aus ländlichen Regionen kamen dabei auf mehr als 350 Millionen Euro.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Entwicklung: Wien erzielte mit 198 Millionen Euro den höchsten Exportumsatz und verzeichnete ein Wachstum von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Steiermark erreichte mit 90 Millionen Euro Exportumsatz ein Plus von 30 Prozent und zählt damit zu den dynamischsten Bundesländern. Niederösterreich legte um 21 Prozent auf 78 Millionen Euro zu, Vorarlberg um 16 Prozent auf 36 Millionen Euro und Salzburg um elf Prozent auf 61 Millionen Euro. Besonders stark fiel das Wachstum im Burgenland aus, wo die Exportumsätze um 42 Prozent auf zehn Millionen Euro stiegen. Rückgänge verzeichneten hingegen Kärnten mit minus 25 Prozent auf 18 Millionen Euro sowie Tirol mit minus 13 Prozent auf 67 Millionen Euro.
Traditionsunternehmen und Start Ups
Neben etablierten Traditionsunternehmen nutzen zunehmend auch junge Marken und Start-ups den Onlinehandel zur Internationalisierung. Zu den bekanntesten Beispielen zählt das Wiener Unternehmen Waterdrop, das über Amazon mittlerweile in zwölf Ländern aktiv ist – darunter die USA, Australien und zahlreiche europäische Märkte. Das Unternehmen verzeichnete 2025 erneut zweistellige Wachstumsraten.
Auch kleinere österreichische Anbieter konnten ihre Marktposition deutlich ausbauen. Der niederösterreichische Yogaausrüster Yosana verdoppelte seinen Umsatz über Amazon innerhalb eines Jahres. Das Tiroler Lighting-Start-up Mato erreichte mehr als 50.000 Kund:innen und verzeichnete dreistelliges Umsatzwachstum. Glory Boards aus Salzburg erzielte bereits vor dem Aufbau eines eigenen Webshops sechsstellige Umsätze über Amazon in Österreich und Deutschland. Das niederösterreichische Spielwarenunternehmen Bioblo wächst seit dem Einstieg in den internationalen Onlinehandel ebenfalls kontinuierlich zweistellig.
Amazon investiert in Österreich
Parallel dazu investiert Amazon weiter massiv in Österreich. Seit 2016 flossen laut Unternehmen rund eine Milliarde Euro in Infrastruktur, Logistik und Personal, allein 2025 rund 265 Millionen Euro. Das Unternehmen betreibt mittlerweile fünf Logistikstandorte in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten sowie ein AWS-Büro in Wien. Nach Unternehmensangaben sichern die Investitionen indirekt mehr als 1.500 Arbeitsplätze in Bereichen wie Bau, Logistik und Dienstleistungen. Der jüngste „Standort“ wurde in Premstätten/Stmk. eröffnet, erst vor Kurzem erfolgte der Spatenstich in Enns für ein neues Verteilzentrum.
Um den Marktplatz für Händler attraktiver zu machen, kündigte Amazon Anfang 2026 zudem eine der größten Gebührensenkungen der vergangenen Jahre an. Anpassungen bei Vermittlungsgebühren und „Versand durch Amazon“ sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen entlasten. Durchschnittlich sinken die Kosten pro verkaufter Einheit in europäischen Amazon-Stores laut Unternehmen um rund 17 Cent.
Amazon Pop Up Store
Parallel dazu versucht Amazon auch die Sichtbarkeit heimischer Unternehmen offline zu stärken. Mit einem Pop-up-Store auf der Wiener Mariahilfer Straße präsentierten mehr als 60 österreichische Unternehmen ihre Produkte direkt im stationären Umfeld – darunter Gmundner Keramik, Naked Optics und Geschwister Mauerer. Ergänzt wurde die Aktion durch eine kuratierte Online-Storefront mit „Lieblingsprodukten aus Österreich“ des ehemaligen Fußballstars Toni Polster. Der Store wird eine Woche geöffnet bleiben.
Die Entwicklung zeigt deutlich: E-Commerce ist für viele österreichische Unternehmen längst mehr als ein zusätzlicher Vertriebskanal. Digitale Plattformen entwickeln sich zunehmend zu zentralen Exportmotoren, Marketinginstrumenten und Wachstumspartnern. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gewinnen Reichweite, internationale Sichtbarkeit und flexible Vertriebssysteme für den Handel weiter an Bedeutung.
Weitere Informationen zum Bootcamp Quick Start Online finden Sie unter:
https://quickstart-online.de/bootcamp/