Amazon baut Verteilzentrum in Linz
Mit dem offiziellen Spatenstich in Enns startet Amazon den Bau eines neuen Verteilzentrums für den Großraum Linz. Der Konzern investiert rund 70 Millionen Euro in den Standort im Ennshafen und setzt damit seinen Ausbau der österreichischen Logistikinfrastruktur fort. Bis zur geplanten Inbetriebnahme im Frühjahr 2027 sollen mehr als 100 direkte Arbeitsplätze entstehen, zusätzlich werden bei regionalen Lieferpartnern mehrere Hundert Fahrerstellen geschaffen. Realisiert wird das Projekt vom Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck Rhomberg Österreich. Auf einer Gebäudefläche von rund 6.900 m2 entsteht das künftig sechste Amazon-Verteilzentrum in Österreich. Der Standort übernimmt künftig Aufgaben auf der sogenannten „letzten Meile“ – also der Zustellung von Paketen an Endkunden im Raum Linz und Umgebung.
Amazon betreibt seit 2018 eigene Verteilzentren in Österreich und sieht den Ausbau als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach schnellen und flexiblen Lieferungen. Jordan Kremnitzer, verantwortlich für die österreichischen Amazon-Logistikstandorte, verweist auf die Bedeutung regionaler Infrastruktur für effiziente Lieferprozesse und hebt die Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Enns hervor.
Auch auf kommunaler Ebene wird das Projekt als wirtschaftlicher Impuls bewertet. Bürgermeister Christian Deleja-Hotko betont jedoch, dass die Gespräche im Vorfeld stark von Verkehrsfragen geprägt gewesen seien. Um Belastungen für das Stadtgebiet zu vermeiden, wurde mit Amazon vereinbart, dass der Lieferverkehr nicht durch Wohngebiete geführt wird. Ergänzend errichtet das Unternehmen auf eigene Kosten einen Radweg entlang der Mainstraße sowie eine neue Bushaltestelle im Bereich Mainstraße/Ennshafenstraße. Zudem beteiligt sich Amazon an möglichen künftigen Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur rund um die Kreuzung Ennshafenstraße.
Nach Angaben der Stadt wurde die Grundstücksstruktur außerdem so geplant, dass eine spätere Erweiterung beziehungsweise Erschließung des Hafenbeckens weiterhin möglich bleibt. Unterstützt wird die Ansiedlung auch von Business Upper Austria. Geschäftsführer Werner Pamminger sieht darin ein positives Signal für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich und dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Nachhaltige Bauweise
Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts liegt auf nachhaltigem Bau und Betrieb. Vorgesehen sind unter anderem eine Photovoltaikanlage mit 280 kWp Leistung, die Nutzung erneuerbarer Fernwärme sowie der Einsatz CO₂-reduzierter Baustoffe. Darüber hinaus setzt Amazon auf extensive Begrünung von Dach- und Freiflächen. Statt klassischem Industrierasen sollen Wildblumenwiesen mit heimischen Pflanzenarten entstehen. Ergänzt wird das Konzept durch Bienen- und Insektenhotels sowie Regenwassernutzung zur Bewässerung der Grünflächen. Das neue Verteilzentrum ist Teil von Amazons internationaler Klimastrategie „Climate Pledge“, mit der sich das Unternehmen verpflichtet hat, bis 2040 CO₂-neutral zu wirtschaften. Dazu zählt auch die schrittweise Elektrifizierung der Lieferflotte. Der Standort Enns wird dafür bereits mit entsprechender Ladeinfrastruktur ausgestattet.
Für Goldbeck Rhomberg steht dabei die Verbindung von moderner Logistik und ressourcenschonender Bauweise im Mittelpunkt. Laut Niederlassungsleiter Valentin Oswald werde jede Planungsentscheidung unter Nachhaltigkeitsaspekten getroffen – von der Materialwahl bis zum Energiemanagement.
Wirtschaftliche Bedeutung im Onlinehandel
Neben der Logistik selbst spielt für Amazon auch die wirtschaftliche Bedeutung des Onlinehandels für regionale Unternehmen eine Rolle. Laut Unternehmensangaben nutzen derzeit rund 400 oberösterreichische Klein- und Mittelbetriebe die Plattform als Vertriebskanal. Im Jahr 2024 seien mehr als 2,4 Millionen Produkte aus Oberösterreich über Amazon verkauft worden. Mit dem neuen Standort in Enns positioniert sich Oberösterreich damit weiter als bedeutender Logistik- und Wirtschaftsstandort im österreichischen E-Commerce-Markt.