Direkt zum Inhalt
 Milchwirtschaft in Österreich

AMA-Gütesiegel: Mehrheit der Milchpackungen

Die österreichische Milchwirtschaft setzt ihre Qualitäts- und Tierwohlstrategie fort und kämpft gleichzeitig mit steigender Marktvolatilität, wachsendem Kostendruck und strukturellem Wandel in Europa.

Seit der Einführung 2024 setzen bereits 81,5 % der konventionellen Milchviehbetriebe auf das Modul „Tierhaltung plus“. Es ergänzt das AMA-Gütesiegel um verbindliche Anforderungen zu Tierhaltung, Tiergesundheit, Fütterung und unabhängigen Kontrollen. Laut AMA-Marketing sind damit 90 % aller konventionellen Milchpackungen im Handel entsprechend gekennzeichnet. Kontrolliert wird mindestens einmal jährlich. Vorgeschrieben sind unter anderem mindestens 120 Tage Bewegungsfreiheit pro Jahr auf Weide, Alm oder im Laufstall; im Schnitt erreichen Betriebe bereits 176 Tage. 84 % der Betriebe nutzen zusätzlich Weide- oder Almsysteme.

2025 lieferten rund 20.800 Milchbauern insgesamt 3,7 Mio. Tonnen Milch. Der Milchkuhbestand lag bei 536.200 Tieren (-0,1 %). Die durchschnittliche Herdengröße beträgt 25,8 Kühe. Der Auszahlungspreis stieg 2025 auf durchschnittlich 63,58 Cent/kg (2024: 56,86 Cent/kg), fiel jedoch im Februar 2026 bereits auf 45,75 Cent/kg (Februar 2025: 53,12 Cent/kg). Die Milchanlieferung legte 2025 um 2,8 % zu, im Jänner 2026 bereits um 6,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die Molkereiwirtschaft erzielte 2025 einen Umsatz von rund 4,4 Mrd. Euro (+9 %). Die Beschäftigung lag bei rund 5.900 Mitarbeitenden. Die Ertragslage bleibt mit rund 1 % EBIT-Marge angespannt.

Außenhandel: 44 % Exportquote, Käse dominiert

Die Exportquote liegt bei rund 44 %, die Importquote bei knapp 30 %. Der Außenhandelssaldo beträgt 634 Mio. Euro (+4 %). Die Gesamtexportequote 2025 lag bei 1,95 Mrd. Euro (+9,5 %), der Gesamtimport 2025 bei 1,32 Mrd. Euro (+12,4 %). Das wichtigste Produkt ist Käse mit 987 Mio. Euro Exportwert. Rund 50 % der Exporte gehen nach Deutschland. Österreich exportiert Milchprodukte in über 100 Länder.

Strukturwandel und Marktumfeld

Die Zahl der Milchbauern sank 2025 um 3,5 % auf 20.811 Betriebe. Gleichzeitig bleibt die Produktion stabil, während Skalierung und Effizienz steigen: durchschnittlich 176,9 Tonnen Milch je Betrieb (+6,5 %). Die EU-Milchproduktion stieg 2025 um rund 2 %, in einzelnen Monaten seit Ende 2025 sogar deutlich stärker. Ursachen sind hohe Futterverfügbarkeit, Krankheitsverläufe sowie Kostendruck zur Produktionsausweitung. Diese Entwicklung führte zu Preisrückgängen am Rohstoffmarkt, insbesondere bei Butter. 2024 wurden weltweit erstmals über 1 Mrd. Tonnen Milch erzeugt. 80 % stammen von Kühen, 15 % von Büffeln, 5 % von Schafen und Ziegen. Über 90 % der Milch werden im jeweiligen Herkunftsland konsumiert.

Konsum: Milch bleibt Wachstumsmarkt im Handel

Österreichische Haushalte gaben 2025 im Schnitt 53 Euro pro Monat für Milchprodukte aus, davon 22 Euro für Käse. Der Konsum von Naturjoghurt, Skyr und Cottage Cheese steigt. Bio-Milchprodukte erreichen im Handel bereits 13 % Marktanteil. Der Käsekonsum hat sich seit dem EU-Beitritt auf 26,5 kg pro Kopf verdoppelt.

Deutschland: Blick zum Nachbarn

Die deutsche Milchwirtschaft steht laut Roland-Berger-Analyse vor wachsender Volatilität, starkem Preisdruck und Konsolidierung. Die Zahl der Milchbetriebe sank seit 2010 um über 55 % auf rund 50.000. Rohmilchpreise fielen Ende 2025 binnen vier Monaten um über 30 %. Gleichzeitig wächst der Margenunterschied zwischen Commodity-Produkten (<2 % EBIT) und Spezialprodukten (5–10 % EBIT). KI-gestützte Prozesse könnten laut Analyse Kostensenkungen von 10–15 % ermöglichen.

Ausblick: Druck durch Kosten, Politik und Handel

Die Branche sieht sich mit steigenden Energie- und Logistikkosten, geopolitischen Risiken sowie neuen regulatorischen Belastungen konfrontiert. Kritisiert werden zusätzliche Abgaben und Bürokratie im EU- und nationalen Umfeld. Gleichzeitig betont die Branche die Bedeutung von Tierwohlprogrammen, Exportfähigkeit und Qualitätsstrategie als zentrale Wettbewerbsfaktoren im internationalen Handel.

Bild von links nach rechts: Stefan Lindner, Milchbauer und bäuerlicher Vertreter im Vorstand des MVÖ, Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin AMA-Marketing, und Helmut Petschar, Präsident des MVÖ, betonten den Wert des AMA-Gütesiegel „Tierhaltung plus“ für die gesamte Wertschöpfungskette (Credit: AMA-Marketing/Thomas Meyer)

Kategorien

Tags

geschrieben am

29.05.2026